Reisen

Incredible India – Sightseeing & Starbucks in Delhi: Reisetagebuch #2

Tag 1 in Delhi

Nach einer angenehmen, ruhigen (nachdem wir uns an das Geräusch des Ventilators gewöhnt hatten) Nacht startet unser erster richtiger Tag in Indien – natürlich erstmal mit einem Frühstück, was immerhin im Hotelpreis von 10€ pro Nacht inklusive ist. Wir bestellen beide Toast und Rührei, A. einen Kaffee und ich einen Tee. Mit einem stolzen Lächeln auf dem Gesicht bringt einer der Hotelangestellten ein Tablett in unser Zimmer. Das Toast ist in hauseigene Servietten eingewickelt (na holla!) und Butter und Marmelade sehen tatsächlich aus wie zuhause. Das Rührei ist süß und mein Fazit nach den ersten Löffeln: Kann man essen, muss man aber nicht. Na gut, bleibt das Toast – das allerdings irgendwie komisch riecht (eine Mischung aus den Gerüchen als hätte es jemand als Einlage für seine Sportschuhe und als Schwamm zum Aufwischen von altem Bratfett verwendet). In der Hoffnung, dass der Geruch nur von den Servietten kommt, beiße ich beherzt in das Brot. Erkenntnis: Ungenießbar. Schade. Der Tee ist heißes Wasser und der Kaffee leider auch ein Fall für den Abguss.

Wir müssen lachen. Bei der Serie Auf-und-davon hätte das eine schöne Szene gegeben: Zwei Mädels, auf ins große Abenteuer und scheitern schon an der ersten Mahlzeit. Aber um das mal klar zu stellen: Wir sind keine Prinzessinnen auf der Erbse. Es hat nur einfach verboten geschmeckt. Da wir unsere Gastgeber nicht enttäuschen wollen, verschwindet das Frühstück unauffällig in einer Mülltüte und wir entscheiden, dass wir die nächsten Morgen auf Frühstück im Hotel verzichten werden. 

Im Reiseführer haben wir uns die Sehenswürdigkeiten für den Tag rausgesucht: das Humayun-Mausoleum, India Gate und Ghandis House stehen auf dem Plan. In der Hotel Lobby wartet bereits ein bekanntes Gesicht auf uns. Bilal, der Besitzer eines Touri-Büros, der uns bereits am Vorabend von seinen tollen Angeboten berichtet hatte, wartet bereits auf uns. Da er uns eine Stadtkarte und Tipps für unser Sightseeing durch Delhi verspricht, gehen wir, ohne große Fragen zu stellen, zu seinem Büro. Wir folgen ihm leicht planlos. Und während wir uns gestern noch über die Inder amüsiert und gewundert haben, die mitten auf der Straße laufen, tun wir es ihnen schon am ersten Tag gleich – wert braucht schon Bürgersteige?

Wir lassen uns von Bilal überzeugen, einen Fahrer für den ganzen Tag zu nehmen, um möglichst stressfrei alle Sehenswürdigkeiten der Stadt erkunden zu können. […] Nach wenigen Minuten Fahrt machen wir Stopp an einem Tempel. Dort machen wir zum ersten Mal die Erfahrung, dass wir eine viel größere Attraktion sind als so manche Sehenswürdigkeit. – eine Gruppe von Jugendlichen steht freudig und erstaunt kichernd vor uns und bittet uns um Fotos mit ihnen.

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Unsere zweite Station ist das ‚Gandhi Smriti‘, das Haus in dem Ghandi die letzten 144 Tage seines Lebens verbracht hat. Der Garten ist sehr einladend und auch Ghandis Zimmer sehr interessant: Nur eine Matratze, ein Webstuhl und wenige weitere Gegenstände – Minimalismus auf höchstem Niveau. Wie im Reiseführer beschrieben, bietet das Haus auch ein ‚Multimedia-Museum‘. Die Angestellten sind sichtlich erfreut über unseren Besuch – leider können wir uns nichts ganz so für die Ausstellung begeistern. Wie der Lonely Planet versprochen hat, sind die Filme des Museums sehr skurril und auch die Aufmachung der Ausstellung sehr … speziell. Nichtsdestotrotz lassen wir uns durch alle Räume führen und probieren die Multimedia-Spielereien aus. 

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 Garten des Gandhi Smriti

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„Be the change you want to see in the world.“ – Mahatma Gandhi

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‚Smitri‘ bedeutet soviel wie Erinnerung oder Gedenken

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Ein Hauptziel der Ausstellung ist es, Kindern und Jugendlichen die Gleichheit aller Religionen und Menschen näher zu bringen. Durch verschiedene Ausstellungsstücke wird verdeutlicht, dass nur gemeinsam ein Ziel erreicht werden kann. Die Installation auf dem Bild beispielsweise, leuchtete auf, wenn auf alle vier Hände eine Hand gelegt wurde.

[…] Auch wenn wir eigentlich schon an diesem Punkt unserer Tour fix und fertig sind, geht es weiter – wir haben ja schließlich den Fahrer und noch viele Punkte auf unserer Liste. Nächster Halt: India Gate. Ein imposantes Tor! Aber nach zwei, drei Fotos zieht es uns weiter. 

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Für 250 INR (~3,50€) kaufen wir uns eine Karte für das Humayun-Mausoleum. Da gerade die pralle Mittagssonne scheint, entscheiden wir uns, nur einen Teil zu besichtigen*.

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* Wie sich später herausstellte, besichtigten wir tatsächlich einen Teil, der eigentlich gar nicht zum Humayun-Mausoleum gehörte, sondern nur ein kleines Beiwerk ist. Zum Humayun hätte man geradeaus durch das Tor gemusst (was ja auch naheliegend ist, wenn man bedenkt, dass alle Leute dort hinlaufen). Wir sind allerdings kurzerhand rechts abgebogen. Statt eines ‚Palastes‘ haben wir quasi mit der Gartenlaube vorlieb genommen – war aber auch ganz hübsch und uns bei der Hitze (ca. 39°C im Schatten) auch egal.

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Unser (Nicht-) Humayun-Mausoleum hatte dafür etwas vom Dschungelbuch

 

[…] Leicht geschafft machen wir uns zurück zum Auto. Der Trip soll weiter gehen in Richtung Tourist-Information. Da der Lonely-Planet explizit davor warnt einer Touristinformation zu vertrauen, die nicht von der Regierung ist, wollen wir das offizielle Tourismusbüro aufsuchen – auch um deren Angebote mit denen von Bilal zu vergleichen. A. und ich benötigen ja noch immer Tickets für unsere Reise durch Rajasthan, die in nur zwei Tagen starten soll. Wir kommen an der (vermeintlichen?) Touristinformation an und sind verdutzt – hier will man uns gar nicht wirklich beraten, sondern nur weiter leiten, zu einem anderen Büro. Ahja. Das war ja erfolgreich – nicht. Um trotzdem nicht ganz umsonst dagewesen zu sein, fragen wir eine Mitarbeiterin jüngeren Alters, ob es in der Nähe einen Starbucks gibt. Und tatsächlich! Sie kennt Starbucks und zeichnet uns diesen in einer Stadtkarte ein. Mit neuem Elan geht es zurück zu unserem Fahrer, der die Welt nicht mehr versteht. ‚Starwhat?‘ Er hat natürlich noch nie davon gehört und versteht sowieso nicht wirklich, was wir denn mit Kaffee aus einem Laden wollen, wenn es doch an jeder Ecke Chai gibt. Egal. Wir. Wollen. Zu. Starbucks. – Natürlich kann man jetzt sagen: Ihr seid in Indien, was wollt ihr bei Starbucks? Aber bei all dem Trubel und den vielen neuen Eindrücken ist es schön, in einer ‚bekannten‘ Umgebung einmal alles sacken zu lassen und die Gedanken zu ordnen. 

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Ein kleines Stückchen ‚Zuhause‘ oder zumindest Bekanntes im Trubel von Delhi. Und für Kaffee-Liebhaberin A. ein Paradies im Vergleich zu der indischen ‚Plörre‘ 😀

 SAMSUNG CSCNach dem Kaffe ging es wiederum in ein Tourismusbüro (das angeblich auch ein offizielles sein sollte, so richtig konnten wir das aber nicht glauben). Für 600€ will man uns dort die Rajasthan-Reise verkaufen. Nee, definitiv viel zu viel! Und als der gute Herr merkt, dass wir uns nicht einfach über den Tisch ziehen lassen, wird er auch noch unfreundlich – also gehen wir, ohne ein Ticket, ohne irgendwas.

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Abends essen wir das erste Mal traditionell Indisch! Ein kleines einfaches Restaurant, das uns unser Fahrer empfohlen hat.  Unfassbar lecker!

[…] Wieder im Hotel angekommen, sind wir kaputt und gestresst von dem Gedanken, dass unsere Weiterreise noch immer nicht geplant ist…

Kein Wunder, dass am nächsten Morgen (Tag 3) erst einmal eine Kriesensitzung nötig ist.

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