Begegnung

Begegnung
Manchmal wenn ich an der Haltestellte stehe und diese „Kaputten“ sehe,
hab ich Angst, auch mal einer zu werden.

Im Dezember, am 23., ich war gerade auf dem Weg zu meiner Familie, sprach mich an der Bahnhaltestelle ein Mann an. Drei Zähne hatte er noch (optimistisch geschätzt). Ich würde gern seinen Geruch beschreiben, nur fehlen mir die Adjektive.

„Haben Sie nen bisschen Geld für mich?“, fragt er. Obwohl er größer ist als ich, habe ich das Gefühl, zu ihm herab schauen zu müssen. Ungewollt.
„Nein.“, sage ich – bestimmt, aber freundlich, so freundlich es eben geht. Er verdreht die Augen, lässt ein schrilles Stöhnen los und sagt in einem Ton, der mich an Rumpelstilzchen erinnert: „Wieder ein Weihnachten, das ich nicht nach Hause fahren kann.“ Er zieht ab und lässt mich mit meinen Gedanken zurück. Muss ich jetzt ein schlechtes Gewissen haben, frage ich mich. Und sagt mir, was muss passieren, dass es soweit kommt? Kann mir das auch passieren?

So stehe ich da und warte auf die Bahn, die mich nach Hause bringt, während der Winterwind mir den Geruch meines neuen Chanel Parfüms in die Nase weht.

 

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achtung, eine durchsage: lassen sie ihr leben nicht unbeaufsichtigt