Von Sport frei bis sportfrei

Lieber F.,

[…] Wo ich gerade vom Sport und dem Fitnessstudio gesprochen habe, kann ich dir sagen: Es ist wirklich spannend, was man da so für Menschen trifft.

Da gibt es diese Frauen, die in ihren  Ohren wohl nichts mehr außer ihrer tickenden inneren Uhr hören.

Diese Frauen, die um die Angst vor dem Älterwerden zu betäuben, trainieren als gäbe es kein Morgen mehr. Die Größe 36, die sie tragen sieht nicht schlecht aus, aber ein Lächeln auf den Lippen würde ihnen noch viel besser stehen. Dann gibt es die 16jährigen Mädels, die schon vor Anstrengung stöhnen, wenn sie ihr Handtuch auf dem Fahrrad abgelegt haben und anschließend so gemächlich die Pedale bewegen als säßen sie gerade in ihrem Schwan-Tretboot auf der Oker und ließen sich die Sonne ins Gesicht scheinen. Aber hey, das ist ja vollkommen in Ordnung. Immerhin sind sie dort ja auch nicht, um sich fit zu halten oder abzunehmen oder sowas, das haben die jungen Dinger gar nicht nötig. Eigentlich bezahlen sie den monatlichen Mitgliedsbeitrag nur, um „gesehen zu werden.“ Von den 1,5 Stunden, die sie im Fitnessstudio sind, verbringen sie ganze 60 Minuten vor dem Spiegel in der Umkleide, um ihre Hotpants so zu zupfen, dass man gerade nicht zu viel, aber eben auch nicht zu wenig Po und Bauch sieht.

Die Tops, die wahrscheinlich von der Größe der Unterhemden sind, die meine Eltern mir mit 5 angezogen haben, schreien förmlich: „Nicht zu sehr bewegen, sonst können wir für das Verdecken unseres Inhalts nicht garantieren.“

Die weiteren weiblichen Charaktere erspare ich dir an dieser Stelle und mache mit ausgewählten männlichen weiter. Da wäre Modell Streichholzbein. Obwohl diese Bezeichnung noch nicht ausgereift ist, denn es sind ja nicht nur die Beine wie bei einem Strichmännchen.  Dieser Typ von Mann versucht mit ungehaltenem Krafttraining  seine Muskeln wachzurütteln, dass sie sich doch endlich mal zu den Knochen gesellen würden. Noch viel amüsanter sind aber die echten Pumper, die aussehen als würde nur ein spitzer Fingernagel ihre Michelin Männchen-Muskeln zum Platzen bringen.

Am liebsten mag ich dabei den Subtyp „Grillhähnchen“, der neben der Mitgliedschaft im Fitnessland wohl auch eine Solariums-Flatrate besitzt und diese nicht zu knapp nutzt.

Diese Grillhähnchen sind es auch, die ein Dreiviertel ihres Trainings damit verbringen, sich im Spiegel zu betrachten, selbst zuzuzwinkern und ihre Muskeln zu streicheln. Ich warte auf den Tag, an dem einer vor versammelter Mannschaft seinen Oberarm küsst. 🙂

Das ist natürlich nur ein ganz grober Überblick ohne Anspruch auf Vollständigkeit und sicher tue ich vielen auch sehr Unrecht mit meiner ungenauen Darstellungen ihrer Vorzüge, aber was ich dir sagen kann, ist, dass in diesem Laden wirklich einige…na ja…ich sag mal „Granaten“ rumlaufen.

1 Kommentar

  1. Sven
    25. Dezember 2015 / 0:12

    Das trifft es recht genau.
    Neben Schweiß und Muskelkater, ist ein (mein) Fitnessstudio auch ein Comedy und Slapstick Club. Danke für das lachen was Du mir mit diesen Gedanken geschenkt hast.

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